Di, 17.03.26
Lange ist der letzte Eintrag her. Es war viel los aber gottseidank nichts was direkt mit Anouk zu tun hatte. Warten auf den MRT Termin. Dazwischen hält sich Anouk erstaunlich stabil. Wir können uns also den anderen Dingen des Lebens widmen. Arbeit, Sport, Freunde treffen. Es fällt mir immer noch schwer, wenn ich an die frühere Zeit erinnert werde, als Anouk noch gesund war. Wenn ich Freunde von früher treffe. Aber vllt wird es irgendwann leichter.
Heute war dann endlich der große Tag. cMRT und hoffentlich Ausschluss eines Hypophysentumors und damit Start der Hormontherapie. Bini und ich mussten getrennt fahren, weil einer von uns noch mit Jakob zu Hause warten musste, bis er in die Schule konnte. Dann Gino Gassi. Und obwohl ich eine Stunde zu spät im KH angekommen bin, war Anouk gottseidank noch wach und gut gelaunt. Bis wieder erfolglos der Zugang gelegt worden ist. Bis sie wieder festgehalten werden musste, obwohl sie es hasst und ich weiß, dass das festhalten die Situation verschlimmert. Aber jede Station/ jeder Arzt/ jede Schwester hat ein anderes Vorgehen. Dann haben sie ihr noch ein paar Röhrchen Blut abgenommen, obwohl sie das eigentlich erst unter Narkose machen wollten. Aufgelöst und voller Kopfweh hab ich Mausi zum MRT getragen. Und weil sie keinen Zugang hatte, musste sie mit der Maske eingeleitet werden, die so "toll" nach Erdbeer riecht. Wenn es einen Duft gäbe der Albträume auslöst, dann dieser. Und natürlich wollte sie die Maske nicht aufs Gesicht gepresst bekommen. Sie weint und schreit bis sie jegliche körperspannung verliert und ich ihr ein Abschiedsbussi geben konnte. Warum man ihr vorher kein Beruhigungsmittel über die PEG gegeben hat, ist mir schleierhaft. Danach muss ich raus. Raus aus dem Krankenhaus. Luft schnappen. Und kurz den Tränen freien Lauf lassen. Herr G. ruft an und beendet das Telefonat mit "wir sehen uns ja dann morgen". Ja, sie haben zur Sicherheit ein Bett auf der 5 reserviert, aber das klang eher nach "Es ist fix".
Die Anästhesistin sagt, dass die normale Larynx Maske "wegen ihrer sehr fortgeschrittenen Lungenerkrankung" nicht gereicht hatte und sie wieder intubiert werden musste. Alles in diesem Krankenhaus triggert mich. Wenigstens musste ich die Zeit nicht in dem MRT Warteraum von früher verbringen, denn seit neuestem hat das Krankenhaus endlich ein MRT Gerät im Haus. Es ist 12:15 und ich warte darauf, dass ich endlich zu meiner Babymaus darf. Ich vermisse sie so sehr, dass es weh tut und ich kann es kaum erwarten, diesen schrecklichen Ort wieder zu verlassen. Es schnürt sich mir alles zu, wenn ich diesen Glasgang sehe..Der Blick auf die Onkostation. Wenn es Angst und Panik als Nahrungsmittel gäbe, wäre mein Magen voll davon.
Ich bete, dass Anouk heute heim darf. Ich kann sie hier nicht mit Bini zurücklassen und gleichzeitig kann ich auch nicht Jakob wieder wegen seiner Schwester vertrösten. Wir wollten heute sogar 2 Kapitel von Harry Potter lesen. Heute bin ich dran, ihn ins Bett zu bringen.
An Tagen wie heute realisiere ich wieder. Alle Gefühle sind wieder da. Und auch wenn ich weiß, dass die Situation eine andere ist, reagiert mein Körper wie damals. Ich würde am liebsten weinen und schreien. Stattdessen sitze ich wieder hier und warte. 12.30 Uhr.
Nach einer weiteren langen Stunde konnte ich Anouk endlich in die Arme schließen. Sie war noch sehr groggy, aber innerhalb kürzester zeit wieder die alte. Herr G. hat uns auch besucht. Als wir auf das Gespräch kamen, dass es jetzt fast ein Jahr her ist, dass es Anouk so schlecht ging und er auf der Tagung für Lungenärzte mit den Fachexperten über Anouks Fall diskutiert hat, meinte er heute: "jetzt kann ichs ihnen ja sagen: dass es Anouk heute so geht ist ein absolutes Wunder. Auch die Fachkollegen haben nicht viel Hoffnung für sie gesehen". Ich hätte das lieber nicht gehört. Er gibt keine Prognose mehr ab. So gern ich hören würde: sie ist übern berg, bekomme ich nur ein "wir freuen uns einfach, dass es ihr grad gut geht".
Immerhin durfte sie um 15 uhr nach Hause entlassen werden und ich konnte direkt im Anschluss mit ihr Jakob vom Hort abholen.
Nächste Woche gibt es hoffentlich den Befund des Radiologen und nach unserem Urlaub Anfang April können wir dann endlich mit der Hormontherapie anfangen. Für heute bin ich durch mit den Nerven und hoffe, dass mich der morgige freie Tag wieder einigermaßen auf Spur bringt.