Mo, 02.11.2026
Hallo Babymaus. Jeder Tag ist voll und doch so leer. Ich merke erst jetzt wie erschöpft ich von unserem Abenteuer bin. Ich hoffe, du kannst dich jetzt auch etwas ausruhen. Durchatmen. Keine Schmerzen mehr. Kein Gepiekse. Kein Gepiepse. Und doch hätte ich dich und Tröti gerne weiter durchs Leben getragen. Dein Lächeln, deine Umarmungen, das Kuscheln,...das alles hat mir die Kraft gegeben weiterzumachen. Ich weiß, ich war oft genervt. Wir haben oft miteinander gestritten und wenn ich könnte würde ich jede Sekunde rückgängig machen, in der ich dir gegenüber unfair war. Dich angeschrien habe. So viel Zeit und Energieverschwendung. Ich wünschte, ich hätte deinen Körper retten können. Ich wünschte, ich wäre noch penetranter gegenüber den Ärzten gewesen. Ich hätte vor 4 Jahren die Tumorprope sofort genetisch analysieren lassen sollen. Ich hätte vor 2 Jahren auf Ruxolitinib bestehen sollen, ebenso auf einen früheren Wachstumshormontest. Ich wünschte, ich hätte nicht zugestimmt, dass wir erst einmal abwarten mit weiterer gvhd therapie.
Hätte ich gewusst, dass deine Erkrankung fortschreitet, hätte ich das niemals zugelassen.
Ich hätte im letzten Monat noch penetranter sein müssen, dass du Morphin bekommst.
Du hast so gelitten und wir konnten nur zusehen, immer wieder nachfragen. Immer wieder hoffen. Beten.
Ach Babymaus. Tausende Gedanken und kein einziger bringt dich wieder zurück auf Erden.
Sa, 31.10.2026
Es wird gesagt "Gib dir Zeit". Es wird gesagt "Sie ist doch erst seit 2 Wochen tot". Als ob die Zeit helfen würde. Jeder Tag ohne dich ist einer zu viel. Ich war noch nie so lange von dir getrennt.
2 Wochen ohne deinen Herzschlag. Du fehlst mir unendlich...
Heute hab ich ein Eichhörnchen gesehen. Das saß ganz ruhig da und hat mich mit seinen Knopfaugen angeschaut. Intuitiv hab ich es mit "Hallo meine Maus" angesprochen. Ich bin mir sicher, dass du es warst. Ein kleiner Trost.
Mi, 28.10.2026
Ein weiterer Tag ohne dich.
Leer. Sinnlos. Wo bist du?
Ich liege in deinem Bett um dir nah zu sein. Kuschel mit Trizi deinem Plüschtrizeratops. Auch er vermisst dich unendlich.
Morgen wirst du eingeäschert. Morgen wird dein wunderschöner über alles geliebter Körper zu Staub. Ich kann den Gedanken kaum ertragen.
Alles in mir schreit "Halt! Stopp!" Das ist doch mein Baby...
Die Welt ist heute wieder ein Stückchen trostloser.
Der Himmel weint und ich mit ihm. Meine süße Maus, du fehlst mir so so sehr.
So, 25.10.2026
Anouk. Du bist überall. In jedem Wort, jedem Gegenstand, jedem Gedanken, jedem Ort.
Wie kann sich diese Welt nur weiterdrehen, während meine in Trümmern liegt? Wie kann sich diese Welt weiterdrehen, wenn du nicht mehr hier bist. Du. Meine Welt.
Ich verstehe es nicht. Ich will es nicht begreifen. Denn sobald mir bewusst wird, dass ich dich nie wieder in den Armen halten kann, überströmt mich die Verzweiflung. Ich will zu dir.
Mit dir ist ein Teil von mir gestorben. meine Identität. Die letzten 5 Jahre. Meine Zukunft. Mein Lebensinhalt.
Du fehlst mir so, dass ich nicht mehr richtig atmen kann. So wie du..
Anouk, es tut mir so Leid.
Ich hätte alles getan, um dir diese schlimme Zeit zu ersparen.
Wer bin ich ohne dich?
Vermissen. Sehnsucht haben. Fehlen..es gibt keinen Ausdruck, welcher beschreiben könnte wie vernichtend schmerzhaft dieses Verlangen ist, dich in den Arm zu nehmen. Dein Haut zu riechen. Deine Wärme zu spüren. Dein Lächeln zu sehen.
Jakob scheint mich kaum zu brauchen; Schule, Hort, im Anschluss zu Freunden. Das Haus ist so leer. Ohne dich ist das Leben erschreckend normal. Langweilig. Sinnlos.
Was mir bleibt ist ist die Erinnerung. Und doch habe ich unendlich Angst vor dem Vergessen.